Joe Biden warnt saudi-arabischen Kronprinzen vor Gewalt gegen Kritiker

Erstes bilaterales Treffen seit vier Jahren

Biden traf den faktischen Herrscher des Königreichs am Freitagabend im königlichen Palast Al-Salam in der Küstenstadt Dschidda, wo Biden auch mit König Salman zusammenkam. Auf Bildern der staatlichen saudischen Agentur SPA wirkte die Stimmung gelöst. Es ist die erste Begegnung eines US-Präsidenten mit dem Thronfolger außerhalb internationaler Gipfel seit dem Mord an Khashoggi vor bald vier Jahren.Treffen im Palast: Auch auf den Fotos des Gesprächs von Biden und bin Salman scheint die Stimmung gut. (Quelle: Bandar Algaloud/Courtesy of Saudi Royal Court/Reuters-bilder)Bei seiner Ankunft in Dschidda bekam der Demokrat Biden im Vergleich zu seinem republikanischen Vorgänger Donald Trump einen äußerst kühlen Empfang. Am Flughafen begrüßte ihn der Gouverneur von Mekka, Chalid al-Faisal, sowie die Botschafterin in den USA, Rima bint Bandar. Am Palast erwartete ihn der Kronprinz. Einen Handschlag gab es nicht – beide stießen nur kurz die Fäuste aneinander. Mit König Salman schüttelte der US-Präsident allerdings länger die Hände.Die Specherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, hatte zu Beginn von Bidens erster Nahost-Reise als US-Präsident verkündet, dieser wolle wegen Corona möglichst wenig Körperkontakt haben. Reporter spekulierten, Biden wolle vermeiden, dem Kronprinzen die Hand zu schütteln. Bei seinem Besuch in Jerusalem hatte Biden seine Gastgeber zwar teils mit ausgestreckter Faust begrüßt, aber auch Hände geschüttelt – etwa die von Oppositionsführer Benjamin Netanjahu.

“Was für eine dumme Frage”

Nach dem Empfang kamen beide Delegationen zu einem Arbeitstreffen zusammen. An einem langen Konferenztisch im Palast saßen sich Biden und der Kronprinz gegenüber, umgeben von Ministern und weiteren Regierungsvertretern. Reporter aus Bidens Delegation berichteten, weder der US-Präsident noch der Kronprinz hätten zunächst auf gerufene Journalisten-Fragen zum Khashoggi-Mord geantwortet.Dann reagierte Biden aber doch noch – und wurde schroff: “Was für eine dumme Frage”, sagte Biden am Freitag zu einer Reporterin. Die Frau fragte den US-Präsidenten, wie er sich sicher sein könne, dass es nicht noch einmal zu einem Mord wie dem an dem saudischen Regierungskritiker Jamal Khashoggi kommen könne. “Wie soll ich mir da sicher sein können?”, sagte Biden weiter. Er könne überhaupt nichts vorhersagen – schon gar nicht für Saudi-Arabien oder einem anderen Teil der Welt.

Biden will Saudi-Arabien verteidigen

Biden bekräftigte nach Angaben des Weißen Hauses das Versprechen der USA, Saudi-Arabien gegen Angriffe von außen zu verteidigen, insbesondere gegen solche der Huthi-Rebellen aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Jemen. Washington und Riad verbindet seit Jahrzehnten eine enge Partnerschaft, auch im militärischen Bereich. Bidens Zusicherung ist auch als Ansage gegen den schiitischen Iran zu verstehen, der mit dem sunnitischen Saudi-Arabien verfeindet ist. Riad sieht in den Huthis einen engen Verbündeten Teherans. Die Rebellen haben immer wieder Raketen auf das Nachbarland abgefeuert.

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